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Kaleidoskop Rio


Julio Rosenberg & Karl A. Meyer
Fotoaufnahmen in Babilônia. © Benjamin Völkl 2017

Rio de Janeiro ist unglaublich vielfältig. Die Stadt kommt mir vor, wie der Blick durch ein Kaleidoskop und manchmal fühle ich mich wie ein Kind, das fasziniert vom Spiel der Farben und Formen sich in einem Traum selber vergisst. Aber wie lässt die unendliche Vielfalt des „Kaleidoskop Rio“ künstlerisch umsetzen? Wo ist Rio interessant?

Erst versuchte ich es mit Aquarellen, die den Zuckerhut zeigten oder den Christus auf dem Corcovado. Aber ist das wirklich der Geist Rios? Es blieb unbefriedigend. Später versuchte ich es mit einer Digitalkamera. Aber die Bilder kamen nicht über eine Fotoreportage hinaus.

Dann erinnerte ich mich, wie ich vor einigen Monaten im Zimmer meiner Tochter Polaroid Aufnahmen gesehen habe. ` Polaroids, heutzutage? ` Habe ich sie erstaunt gefragt. ` Die sind doch toll ! ` Sie hatte Recht, es waren Fotos einer Art, wie ich sie schon seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hatte. Ich hatte mich also entschlossen ein Medium in die Hand zu nehmen, mit dem ich vorher noch nie gearbeitet habe.

Polaroids sind im Vergleich zur heutigen Digitalfotografie oft überbelichtet und schwammig. Auf den ersten Blick scheint es paradox zu sein, ein Medium zu verwenden das technisch der heutigen Fotographie weit unterlegen ist. Aber zu meiner Überraschung zeigte sich die Seele der Stadt gerade in der „Weichheit“ jener Polaroid Bilder, die sich auch bestens als Vorlage für neue Ölgemälde eignen.

Ein gutes Polaroid zu machen ist eine Herausforderung. Eine Nachbearbeitung via Photoshop ist nicht möglich noch lässt sich ein Polaroid Bild multiplizieren. Es ist und bleibt ein Original. Irgendwie erfrischend.



„Kaleidoskop Rio“ ist ein Versuch die Vielfältigkeit und die Magie Rio de Janeiros aus einer poetischen Perspektive zu beleuchten.
Nativo, oil on canvas
"Nativo" - Öl auf Leinwand im Atelier. © KAM 2017

Morro da Babilônia

Rio lässt sich thematisch nur schwer unter einen Hut bringen, zu widersprüchlich ist die Stadt, deshalb habe ich mich entschieden immer nur einzelne Facetten des Kaleidoskops zu beleuchten. Zum Beispiel die Favela „Babilonia“ die gerade hinter der Copacabana in den grünen Hügeln liegt.

Babilonia kenne ich seit 8 Jahren. Ich verbringe jeden Winter einige Monate im hiesigen Hostal, übrigens vom Architekten Oscar Niemeyer 1956 gebaut, heute ein Relikt aus vergangener Zeit umgeben von den roten Backsteinen der Favela.

Marcio by Karl A. Meyer
"Morro da Babilônia" - Polaroid. © KAM 2017


Wer meint, dass man einfach mit einer Polaroid Kamera in die Tiefen einer Favela gehen kann, täuscht sich.

Es brauchte einige Jahre bis man mich als „Gringo“ akzeptierte, ich meinen Spitznamen, „Pai“ erhielt und das nötige Vertrauen der Menschen hatte um jene Fotos zu machen. Insofern wurde mir ein Einblick in eine Welt gewährt, die mir sonst verschlossen wäre.

Die lichtempfindliche Emulsion des Polaroidfotos trifft dabei auf die Realität einer brasilianischen Favela. Diese Bilder relativieren nicht nur unser Dasein in Europa, es zeigt auch die soziale Ungerechtigkeit, der man nur schwer entkommen kann.


Karl A. Meyer, 2017






Making of Kaleidoskop 1 - Babilônia | © KAM 2017